Nachhaltige und sozialverantwortliche Textilherstellung: Chancen für eine sich wandelnde Industrie

Die Textilbranche kämpft seit vielen Jahren mit einem Negativimage im Hinblick auf ihre Produktion. Laut UN Allianz für nachhaltige Mode* ist die Textilindustrie verantwortlich für acht Prozent der weltweiten Treibhausgasemissionen und für zwanzig Prozent der Abwasserverschmutzung. Allen voran die Textilfärbereien. Bestimmte Chemikalien, die in Textilien und bei der Textilherstellung verwendet werden, sind gesundheitsschädlich für die Käufer von textilen Artikeln und die Arbeiter, die sie produzieren. Chemische Substanzen verschmutzen Flüsse und Ozeane und kontaminieren wildlebende Tiere sowie häufig das direkte Lebensumfeld rund um die Produktionsstätten. Der Spagat zwischen Fast Fashion und Fair Fashion war in den letzten Jahren besonders für Verbraucher, die ihre Kaufkraft mit Ethik und Nachhaltigkeit in Einklang bringen wollten, sehr groß. Die Corona-Pandemie und die damit einhergehenden einschneidenden, globalen Folgen können eine Chance für die Zukunft der Branche bedeuten.

Nachhaltige Produkte als Antwort auf die Konsumquarantäne
Der stationäre, ebenso wie der Online-Handel, brachen in den letzten Wochen ein. Drohende Arbeitslosigkeit, wirtschaftlicher Abschwung und die geltenden Einschränkungen des Alltagslebens fördern aktuell nicht die Kauflust der Kunden. Dazu kommt, dass die Kleiderschränke gut gefüllt sind. Experten reden bereits von einer Konsumquarantäne. Zu dieser Erkenntnis kommt der „State of Fashion 2020“-Report**. Für den Report haben die Unternehmensberatung McKinsey & Company sowie die Medienplattform Business of Fashion (BoF) aktuelle Umfragen mit mehr als 1400 Experten aus der BoF- Community sowie 6000 Konsumenten aus einem McKinsey-Survey analysiert, um für die Modebranche einen Ausblick in die 12- bis 18-monatige Phase nach der Krise zu geben. Ihr Fazit: die Krise bietet der Branche die große Chance ihre Wertschöpfungskette neu zu gestalten. Der Konsument werde zukünftig mehr denn je eine nachhaltige Textilproduktion in die Kaufentscheidung mit einbeziehen. Das deckt sich auch mit den Erwartungen der Internationalen OEKO-TEX® Association mit Sitz in Zürich.

MADE IN GREEN by OEKO-TEX® – eine maßgeschneiderte Lösung für umweltbewusste und verantwortungsvolle Verbraucher
Hinter OEKO-TEX® steht ein Zusammenschluss aus 18 unabhängigen Prüf- und Forschungsinstituten für die Textil- und Lederindustrie mit Vertretungen in über 60 Ländern der Welt. Dadurch hat OEKO-TEX® globale Insights in die Branche, den Handel und das Verhalten der Endverbraucher. Seit fast dreißig Jahren verfolgt OEKO-TEX® das Ziel, Transparenz entlang der textilen Herstellungskette zu schaffen, die Verbraucher zu schützen und somit bei allen Beteiligten für mehr Sicherheit und Vertrauen zu sorgen. „Die Verbraucher erwarten von den Unternehmen humanökologisch einwandfreie Produkte, den Schutz der Arbeitnehmer und eine umweltgerechte Herstellung. Kunden wollen einen glaubwürdigen Beweis dafür, dass ein Produkt umweltfreundlich und sozial verantwortlich hergestellt wurde. Das wird auch zukünftig Benchmark in einer sich stark verändernden Branche werden“, so OEKO-TEX® Generalsekretär Georg Dieners.

Um diese Forderung zu erfüllen, ist ein unabhängiges Drittlabel – MADE IN GREEN by OEKO-TEX® – zu einer maßgeschneiderten Lösung für verantwortungsbewusste Verbraucher geworden. 2015 erstmalig lanciert, sind bis heute 3700 Produkte mit MADE IN GREEN by OEKO-TEX® ausgezeichnet, um nachzuweisen, dass Textilien und Lederprodukte schadstoffgeprüft, in arbeitnehmerschützenden Betrieben produziert und auf Grundlage eines nachhaltigen Chemikalienmanagements hergestellt werden, bis hin zu einem verantwortungsvollen Umgang mit Abwasser. Darüber hinaus müssen die Lieferanten Maßnahmen zur Verbesserung der Arbeitsbedingungen und zur Sicherstellung von Gesundheit und Sicherheit am Arbeitsplatz für die Beschäftigten an den Produktionsstandorten ergreifen. Dazu gehören die Kontrolle der Arbeitszeiten, gerechte Lohnzahlungen und Sozialversicherungen sowie die Einhaltung der hygienischen und medizinischen Anforderungen.

Transparenz für den Verbraucher durch Label Check
Darüber hinaus überwacht OEKO-TEX® ständig rechtliche, NGO-, Industrie-, Gesundheits-/Wissenschafts- und technische Informationen, so dass Verbraucher darauf vertrauen können, dass die Angaben eines Dritten wie OEKO-TEX® aktuell und unvoreingenommen sind. Das MADE IN GREEN Label bietet Verbrauchern einen bislang unerreichten Grad der Transparenz: Jedes Label verfügt über eine eindeutige Produkt-ID bzw. über einen QR-Code. So können Kunden mit ihrem Smartphone noch direkt im Laden die Herstellung des jeweiligen Produkts zurückverfolgen. Ein kurzer Scan des QR-Codes gibt Antworten u. a. auf Fragen wie: In welchen Produktionsbetrieben entlang der textilen Kette wurde dieser Artikel produziert? In welchen Ländern fand die Fertigung statt? Das schafft Vertrauen und bietet Kunden eine Möglichkeit, sich beim Kauf ohne Umwege über Produkte zu informieren und sie miteinander zu vergleichen. „Wir müssen uns auf die wichtigen Punkte fokussieren und die Nachhaltigkeit und den Verbraucherschutz im Auge behalten. Mit unseren Produkten bieten wir den Unternehmen entlang der textilen Wertschöpfungskette schon heute effektive Möglichkeiten, marktfähige Verbesserungen zu erreichen und neue Standards in Sachen Transparenz und nachhaltigem Handeln zu setzen. Zukunftsfähig zu sein, heißt auch, Zukunft gestalten zu können“, so Georg Dieners.

Weitere Informationen zu OEKO-TEX® finden Sie unter: www.oeko-tex.de.